Zu: Robert Kagan – Macht und Ohnmacht

5.2 Joseph S. Nye (Issue 06/07 2003)

These: US darf sich nicht nur auf militärische Macht verlassen, sondern brauchen auch soft powers

Der Irak-Krieg habe zwar die militärische Übermacht der USA bewiesen, aber dies sei weder ein Grund von der Gegenwart auf die Zukunft zu schließen, noch sich nur auf militärische Stärke zu konzentrieren, denn man könne zwar Terror-Camps in den afghanischen Bergen bombardieren, schwieriger sei dies aber mit Terror-Zellen in Hamburg oder Detroit.
Macht bedeute ein gewünschtes Ziel zu erreichen, und militärische Stärke ist nur eine von mehreren Dimensionen einer solchen Macht. Auch die soft power – die zu überzeugen und anzuziehen – sei neben der – entscheidenden – hard power zu-nehmend wichtig. Andere Akteure würden sich sicher hilfsbereit zeigen, wenn man sie vorher in Pläne und Überlegungen miteinbezöge anstatt durch Unilateralismus internationale Institutionen zu delegitimieren.

Die US-Streitkräfte sind auf Kampf ausgelegt, nicht darauf andere Gebiete zu kontrollieren oder interne Konflikte in anderen Gesellschaften zu schlichten. Ein solcher imperialer Wille fehle weiterhin sowohl der US Öffentlichkeit als auch dem Kongross, und somit sei von einem "imperial understretch", nicht von einem "overstretch zu sprechen".

5.3 Andrew Moravcsik: Striking a New Transatlantic Bargain (Issue 06/07 2003)

These: Arbeitsteilung zwischen military und civilian power als komparativen Vorteilen von EU & US

Moravcsik gibt sowohl dem europäischen, wie auch dem amerikanischen Lager recht: der Krieg gegen den Irak war zwar ein passendes und effizientes Mittel, aber militärische Macht alleine reiche zur Problembewältigung nicht aus. Es gelte zwei Realitäten ins Auge zu sehen: dem Aufstieg neuer, extra-europäischer Mächte und der Macht der USA einen Regime-Wechsel herbeizuführen sowie die die tiefe euro-päische Verbundenheit zu Multilateralismus und ziviler Stärke.

Transatlantische Verstimmungen habe es schon immer gegeben, und zwar in zykli-scher Weise (Vietnam, Reagan) und auch die meisten Amerikaner seien wie die Europäer gegen präemptive Kriegsführung. Insgesamt sei die Konvergenz zwischen USA und Europa größer als die Divergenz. Die militärischen US Mittel und die zivilen Kräfte der Europäer würden weltweit erfolgreich zusammen eingesetzt. Die USA sollten deshalb weniger unilateral vorgehen, aber es sei richtig, dass Europa eine wirkliche power projection capability benötige. Viele Europäer würden die Beteiligung an Verteidigungseinsätzen gut finden.

Kritik: Ersteres sagt Kagan auch, zweiteres zwar nicht, aber in den Meinungsumfragen sprachen sich die EU-Bürger zwar für erweiterte Militärkapazitäten aus, doch nur dann, wenn diese kein Extra-Geld kosten.

Moravcsik spricht sich für eine Arbeitsteilung im Sinne komparativer (Kosten-)Vorteile aus: Die USA seien zwar militärisch stärker, die Europäer dafür aber fast allen anderen Bereichen. Die Europäer brauchen die militärische Stärke der USA, und diese die zivile Stärke der Europäer.

Kritik: 1. darf bezweifelt werden ob die Euopäer stärker in Bildung, Forschung, Diplomatie und humanitäre Einsatzressourcen sind, 2. hatte bereits Kagan diese Idee besprochen und wies darauf hin, dass diese Arbeitsteilung zu Konflikten führte und vermutlich auch weiter führen wird. Das liegt unter anderem auch daran, dass 3. eine Arbeitsteilung nach komparativen Vorteilen nicht notwendigerweise zu einer als gerecht empfundenen Aufteilung der Zugewinne führt. Das Diktum der CA setzt nicht mal ein Pareto-Optimum voraus, sondern lediglich Kaldor-Hicks-Optimalität. Eine solche Spezialisierung kann schnell zur weiteren Marginalisierung eines der Partner beitragen. Ganz genau das ist m.E. der aktuelle Konflikt.

One Trackback

  1. By New Projects | Steffen Heringhaus on 12/03/2009 at 20:12

    [...] style, while the topics range from Antisemitism, Collecative Action and public Goods, to neoconservatism (Robert Kagan) and demographics. Also the famous history of Sociolgy (lecture held by Mr. Hammerich) is to be [...]

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind als solche gekennzeichnet *

*
*