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	<title>Sozialwissenschaften Online &#187; Europa</title>
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	<description>Volkswirtschaftslehre • VWL • Soziologie • Politikwissenschaft</description>
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		<title>Die EU im Karikaturenstreit &#8211; Eine Chronologie</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 16:14:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stef</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politikwissenschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Europäische Identität]]></category>
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		<category><![CDATA[Mohammed Karikaturen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die EU im Karikaturenstreit. Eine Chronologie der Ereignisse, normative Positionen und die Handlungsfţhigkeit der EU als Globaler Akteur in Krisenzeiten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die EU im Karikaturenstreit. Diese Hausarbeit gibt eine detaillierte Chronologie der Ereignisse sofern die EU als Akteur betroffen war, fasst die normativen Positionen während des Karikaturenstreits zusammen und und untersucht die Handlungsfähigkeit der EU als Globaler Akteur in Krisenzeiten. Das Ergebnis ist, dass der Karikaturenstreit auch einen Angriff auf die Europäische Staatengemeinschaft darstellte, ein Angriff, dem europäische Politiker und Institutionen keineswegs gewachsen waren, obwohl sie mehrfach direkt angegriffen wurden. </p>
<p>Anmerkung: Die Quellenangaben befinden sich auf Seite 7 des Artikels, die Fussnoten auf Seite 8</p>
<p><span id="more-36"></span></p>
<p><em>It is my  belief that in this global age a Union of our size, with our interests, history and val­ues, has an obligation to assume its share of responsibilities. The question, therefore, is not whether we play a global role, but how we play that role.</em></p>
<p><em>Javier Solana, 2002<a href="#_ftn1" name="_ftnref1" title="">[1]</a></em></p>
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</div>
<p>Nicht minder entschlossen als diese beschwörenden Worte Solanas klingen die fünf im Vertrag von Maastricht für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU (GASP) festgelegten Ziele: Die Verteidigung gemeinsamer Werte und Interessen seien ein Ziel, ferner die Unabhängigkeit und Integrität der EU, die Friedenserhaltung und Förderung, die Förderung internationaler Kooperation und außerdem die Entwicklung bzw. Konsolidierung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechten und Grundfreiheiten (vgl. Buradă 2006: 194). Der Karikaturenstreit war ein Ereignis, durch das   dieser Anspruch der EU an sich selbst auf die Probe gestellt wurde. In seinem   Verlauf waren nicht nur die verschiedenen Auffassungen von Religion und Staat   im »Wes­ten« und der »Welt des Islam« beobachtbar. Herrschaftsmechanismen in   der muslimischen Welt, verschiedene Formen des »Dialogs« traten während des   Karikaturenstreits ebenso deutlich hervor, wie die – keineswegs nur aufs   Ölgeschäft beschränkten – wirtschaftlichen Verflechtungen zwi­schen Europa und   der muslimischen Welt. Aber auch und gerade zu Fragestellungen zum europäischen   Selbstverständ­nis und zur europäischen Identität liefert der Karikaturenstreit   anschauliches Material.<a href="#_ftn2" name="_ftnref2" title=""> [2]</a> Nicht zuletzt kann der Karikaturenstreit dazu verwendet werden die von Solana   beschworene außenpoliti­sche Potenz der EU zu untersuchen.</p>
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</div>
<p>Ziel dieser Arbeit ist ein Zweifaches. <i>Erstens:</i> Da der Karikaturenstreit bisher nicht akade­misch aufgearbeitet wurde – dem unerhörten Medienecho zum Trotz<a href="#_ftn3" name="_ftnref3" title=""> [3]</a> – sondern allen­falls als Aufhänger für inhaltlich letztlich anders fokussierte Arbeiten Verwendung fand, muss es ein erstes Ziel sein, den Ereignisverlauf positiv zu rekonstruieren. Dazu dient Kapitel 2.1. Da der Karikaturenstreit normativ stark polarisierte stelle ich in Kapitel 2.2 die wichtigsten normativen Positionen vor, die während des Karikaturenstreits eingenommen wurden. Die von Spiegel Online ins Leben gerufene Debatte an der sich viele Prominente, Wissenschafts­vertreter und Politiker beteiligten erweist sich dabei als besonders hilfreich. Andere Quellen werden bei Bedarf herangezogen, wobei sich die Auswahl – des bereits angedeute­ten Umfangs wegen – systematisch auf die deutsche Medienlandschaft beschränkt. Abgerundet wird dieser Überblick durch einige deutsche Meinungsumfragen zum Thema in Kapitel 2.3.</p>
<p><i>Zweitens:</i> Im dritten Kapitel, untersuche ich die außenpolitische Handlungsfähigkeit der EU anhand der in Kapitel 2 erarbeiteten Ereignisskizze, in die durch Kapitel 3.1 weitere bedeutende Vorfälle eingeordnet werden und ziehe so Rückschlüsse auf den Status der europäischen Identität.</p>
<p>Auf dieser Basis versuche ich zu zeigen, dass</p>
<ol>
<li>die europäische Identität   nach Innen fragmentiert ist und Differenzen den Akteu­ren naheliegender erscheinen   als die Gemeinsamkeiten. Dabei wird Europa – und zwar durchaus im Sinne eines Staatenblocks   mit Namen EU –  auf weltpolitischer Ebene als weitgehend homogene Einheit   wahrgenommen, die auch dann von anderen welt­politisch tätigen Akteuren als   Gemeinschaft adressiert wird, wenn der Anlass durch die Aktion(en) einzelner   Mitgliedsstaaten gegeben wurde. Diese Rolle wird von EU jedoch nur schwerfällig   realisiert.</li>
<li>die außenpolitische   Handlungsfähigkeit der EU ist supranationalen Teil durch die kla­ren   Kompetenzzuweisungen, die kurzen Kommunikationswege und die klaren Zielvorga­ben   eher sicher gestellt ist. Im intergouvernementalen Bereich aber, der mit der   GASP den größten Teil der europäischen Außenbeziehungen ausmacht, ist die Handlungsfähigkeit   nicht nur durch die komplizierte Organisation stark einge­schränkt. Auch die   innere Fragmentierung macht es der EU schwer in der gebotenen Zeit auf   weltpolitische Ereignisse zu reagieren, wo die EU als Einheit angesprochen wird   Dazu dient vor allem Kapitel 3.2.
 </li>
</ol>
<p>Explizit nicht Thema dieser Arbeit sind Fragen die den „Clash of Cultures“ (Huntington), die Integrationsdebatte oder den Status des Dialogs berühren.  Das Fazit in Kapitel 4 fasst die Ergebnisse zusammen um die aufgeworfenen Fragen zu beantworten.</p>
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</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Zu: Robert Kagan – Macht und Ohnmacht</title>
		<link>http://www.sozialwissenschaften-online.net/zu-robert-kagan-macht-und-ohnmacht</link>
		<comments>http://www.sozialwissenschaften-online.net/zu-robert-kagan-macht-und-ohnmacht#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 16:05:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stef</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politikwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[VWL]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
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		<category><![CDATA[Robert Kagan]]></category>
		<category><![CDATA[transatlantische Beziehungen]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

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		<description><![CDATA[Rober Kagan - neokonsivertiver Denker und Berater der Bush-Administration. Anlässlich des Bruchs im transatlantischen Bündnisses während des Irak Kriegs veröffentlicht Robert Kagan sein Buch »Macht und Ohnmacht«. Das wahre Problem sei, dass Europäer von der Venus kommen, Amerikaner jedoch vom Mars. So jedenfalls wird Kagan üblicherweise zusammengefasst. Der folgende Artikel fasst Kagans Thesen zusammen, zeichnet die nachfolgende Diskussion, vor allem aus der »Foreign Affairs« zusammen und berücksichtigt dabei auch Kagans Antwort auf die Kritik.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rober Kagan &#8211; neokonsivertiver Denker und Berater der Bush-Administration. Anlässlich des Bruchs im transatlantischen Bündnisses während des Irak Kriegs veröffentlicht Robert Kagan sein Buch »Macht und Ohnmacht«. Das wahre Problem sei, dass Europäer von der Venus kommen, Amerikaner jedoch vom Mars. So jedenfalls wird Kagan üblicherweise zusammengefasst. Der folgende Artikel fasst Kagans Thesen zusammen, zeichnet die nachfolgende Diskussion, vor allem aus der »Foreign Affairs« zusammen und berücksichtigt dabei auch Kagans Antwort auf die Kritik.</p>
<p><span id="more-34"></span></p>
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 </p>
<h2>1 Das Problem: Amerikaner sind vom Mars, Europäer von der Venus</h2>
<p>  Die USA und die Europäer  stehen sich weltanschaulich gegenüber. Die Europäer hätten eine multipolare und kantische Vorstellung der IB, in der Diplomatie und Vertrag grundsätzlich die geeigneten Mittel zur Zielerreichung sein. Mit einem pazifistischen Sendungsbewusstsein ausgestattet betrachten Europäer Amerikaner als gewaltbereit(er) und nicht mit so viel Differenziertheit und  Überzeugungskraft gesegnet, wie sich selbst.</p>
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</div>
<p>  Amerikaner, so Kagan, haben eine hobbessche Sicht auf die IB: Militärische Macht sei die Basis für Frieden und Ordnung. Entsprechend seien Amerikaner eher bereit militärische Mittel zur Zielerreichung in den IB anzuwenden; ihr Vertrauen in internationale Organisationen und Verträge sei geringer. Da die USA über genügend große militärische Macht verfügen, seien sie zudem zu unilateralen Schritten bereit. Die Europäer sehen sie aber als differenziert an: UK sei den US sehr ähnlich, FR mit großem Selbstbewusstsein ausgestattet, DE mit großen Selbstzweifeln. Der Osten Europas sei durch seine Angst vor RU den USA in ihrer Weltsicht sehr ähnlich. </p>
<p>  Kagan ist sich bewusst, dass auf diese beiden Sichtweisen nicht ausschließlich auf je nur einer Seite des Atlantiks zu finden sein. Dennoch haben in dieser Hinsicht selbst linke und rechte Amerikaner mehr miteinander gemeinsam als die beiden Lager über den Atlantik hinweg. </p>
<h2>2 Die These von Robert Kagan</h2>
<p>  Europa hat sich seit neustem von der Machtpolitik abgewandt, die USA haben sich dieser erst langsam zugewandt. Die heutigen Verhältnisse sind also historische Spiegelbilder (Washington, Hamilton, J. Adams, Jefferson) was zwei Ursachen habe:</p>
<ol>
<li>  Das Machtgefälle: Das relative Machtverhältnis zwischen USA und Europa habe sich gewandelt. Eine egalitäre Perspektive auf die IB sei durch relative außenpolitische Schwäche bedingt, komme und schwinde mit dieser.</li>
<li>	Unterschiedliche ideologische Entwicklung in Folge anderer historischer Erfahrungen. Auch hier erkläre relative Stärke bzw. Schwäche die Positionen (mit)</li>
</ol>
<h2>3 Die Begründung von Robert Kagan</h2>
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</div>
<p>  Europas Niedergang als Weltmacht begann mit der gegenseitigen Zerrüttung durch WW I und die gegenseitige Schwächung der verbliebenen Mächte in der Zwischen-kriegszeit, während gegenüber DE Appeasementpolitik betrieben wurde, die man selbst für rationale Analyse und spitzfindige Argumente hielt. WW II beendete Euro-pas Weltmachtstellung endgültig, wie auch die Unfähigkeit die Kolonien zu halten demonstrierte. Die globale Verantwortung gaben die Europäer im Kalten Krieg voll-ständig an die USA ab und gerieten in die strategische Abhängigkeit von den USA anstatt, wie von Roosevelt gehofft, zur dritten Kraft zu werden. Die Beziehung zwi-schen den USA und Europa war von einer permanenten Auseinandersetzung um die Lastenverteilung geprägt, und die Wichtigkeit Europas als Schauplatz im Kalten Krieg führte diese dazu ihre weltpolitische Bedeutung zu überschätzen. Die Entwicklung setzte sich im Zuge der Balkankriege der 1990er fort. </p>
<p><em>  Frage: Wenn Europa unbedeutender war, warum war den USA der Schauplatz Europa dann so wichtig? Lässt sich das nur auf die Notwendigkeit nach einem Verbündeten zurückführen? </em></p>
<p>  Durch das EU-Projekt wollten die Europäer wieder zum global player werden &#8211; auch militärisch &#8211; eine Möglichkeit an die selbst Huntington glaubte. Doch hat die EU nicht mehr Lasten für die globale Sicherheit auf sich genommen &#8211; und die USA im Gegenzug auch nicht mehr Rücksicht auf die EU. Diese ist zwar ökonomisch ein hervorragender global player geworden, musste aber feststellen, dass auch nach dem Ende des Kalten Kriegs militärische Macht nach wie vor entscheidend ist. Vielmehr enthüllten die Krisen der 1990er Europas militärische Uneinigkeit und Ohnmacht, z.B. als es ihnen nicht gelang ein paar Randalemacher im Kosovo ruhig zu stellen. Daraus ergab sich ein weiterer Abstieg in der Hierarchie der IB und gegenüber den USA. </p>
<p>  Die USA dagegen hatten lange Zeit ebenfalls auf kollektive Institutionen und den Vorrang internationalen Rechts vor den Prärogativ der Stärke gesetzt. Unter ihrem Einfluss, insbesondere unter Woodrow Wilson, entstanden in der Zwischenkriegszeit die ersten Versuche auf diese Weise Frieden zu stiften. Doch blieben diese weitgehend ungehört. Die größere Kriegsbereitschaft der USA beruht nicht auf einer größeren Risikofreude der USA (und umgekehrt). Sie sei einfach eine Funktion des militärischen Vermögens. Die USA habe konstant deutlich höhere Verteidigungsausgaben als die Europäer gehabt. Mit dem Zerfall SU kam es zu einem immensen Machtzuwachs der USA. Ihr Spielraum hat sich ohne ernst zu nehmenden Gegner erheblich erweitert. Der ehem. französische Außenminister Huber Vedrine bezeichnete die USA auch als Hyperpuissance (Hyper power). </p>
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</div>
<p>  Ein Beispiel für das Machtgefälle zwischen EU und USA lieferte der Kosovokrieg. Die EU blamierte sich durch knappe und veraltete Mittel (selbst &quot;Militärmacht&quot; UK konnte nur 4% der Flugzeuge und Bomben beisteuern; 99% aller Aufklärungsgeräte kamen aus USA) und erwies sich als Klotz am militärischen Bein der USA. Die Erfahrungen aus dem Kosovo-Krieg waren auch Anlass für den Alleingang der USA in Afghanistan. Das Scheitern des europäischen Plans (Chirac, Blair) eine 60,000 Mann starke Einsatztruppe aufzustellen und die nachträgliche Verharmlosung dieses Misslingens  &#8211; indem das geplatzte Projekt auf Vorschlag Belgiens für &quot;einsatzbereit&quot; erklärt wurde &#8211; demonstrieren einmal mehr, wie weit Europa davon entfernt ist, sich effektiv verteidigen zu können. </p>
<p>  Um wieder mächtig zu werden müssten die Europäer den Sozialstaat zugunsten der Verteidigung einschränken. Ihre passive Territorialverteidigung, ein Erbe des Kalten Krieges, müsste um mobile Einsatztruppen und moderne Technologie erweitert wer-den. Doch stattdessen habe sich Europa für die Friedensdividende entschieden und seine Verteidigungsausgaben sogar gesenkt. Ihr Budget weist konstant unter 2% des BIP auf, das USA jedoch über 3%. </p>
<p>  Basis für die ideologischen Divergenzen ist das unterschiedliche militärische Vermögen im Sinne des sozialpsychologischen Zusammenhangs von Verhalten und Einstellung; oder marxistisch gedeutet: zwischen Basis und Überbau. Die kulturelle Erklärung für diese Differenzen &#8211; auch in der Gefahrenbewertung (failed vs. rogue states) weist Kagan zurück. Europäer bewerten Gefahrenquellen nicht toleranter, weil sie an die Gefahr gewöhnt seien und Amerikaner eben nicht, sondern weil die Europäer gegen diese nicht viel tun können, Amerika aber schon. 300 Jahre Religionskriege in Europa haben ebenso wie die letzten 200 wenig friedlichen Jahre von DE und FR gezeigt, dass die europäische Toleranz traditionell nicht so ausgeprägt ist, wie gerne behauptet. Auch glaubt Kagan nicht, dass die Europäer leidensfähiger seien und die Gefahren deshalb toleranter bewerten. Sie haben einfach mehr Angst und betreiben Appeasementpolitik. Auch Steven Evert bescheinigt den Europäern solche Verdrängungsmanöver: Sie sprechen lieber von Herausforderungen als von Gefahren und ruhen sich darauf aus, dass (ihrer Meinung nach) diese Gefahren die USA vielmehr beträfen als sie selbst. </p>
<p>  Uneigennützig sei das Kalkül der Europäer keineswegs: wo sie sich relativ stark glauben (Wirtschaft und Diplomatie), da setzen sie Akzente, wo sie sich relativ schwach glauben weichen sie aus. Lieber möchten sie die USA schwächen, indem sie an ihr Gewissen appellieren, als selbst die Mühen auf sich zu nehmen und stark zu werden. Der EU fehlt es nicht einfach nur an militärischer Macht, sondern am politischen Willen zu dieser, die Ressourcen (Geld, Bevölkerung) wären ja vorhanden. Durch den Kampf der USA in der hobbesschen Welt können sich die Europäer als free-rider bequem im kantschen Reich des ewigen Friedens niederlassen und ihren Weg weltweit als Beispiel anpreisen (Prodi).</p>
<p><em>  Frage: Übersieht Prodi hier, dass Europa erst einmal »ausgebombt« werden musste, bis es zu diesem Weg &#8211; unter der Führung Amerikas &#8211; bereit war?</em></p>
<p>  Genau aber dieses Sendungsbewusstsein, das Kapital und die Mission der Euro-päer, sieht die EU durch Amerikas Macht und die Bereitschaft diese einzusetzen gefährdet. Die EU sieht keine Mission für sich die Macht erfordert, Geopolitik nehme sie nicht wichtig. Wenn sie mehr Macht wolle, dann nur um die USA zu schwächen.</p>
<p>  Die USA wollten Europa zwar immer den Rücken kehren und nicht für deren Eska-paden (WWI, II, KK) zahlen und doch prägten sie Europa über 90 Jahre mit und im Kalten Krieg wurde Europa zum Bollwerk der Freiheit. </p>
<p>  Manche Europäer, so Robert Cooper, erkennen an, dass das kantische Paradies in der hobbesschen Welt nur mit einer Doppelmoral verteidigt werden kann, indem die USA außerhalb der kantischen Welt militärische Mittel einsetzt. An diese Doppelmoral müsse man sich schon gewöhnen, wenn das Paradies weiter bestehen solle. Aus diesem Grunde nehmen die USA für sich einen Platz über der Verfassung in Anspruch, (vielleicht so wie der machiavellistische Fürst). </p>
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</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Antisemitismus und empirische Antisemitisforschung in Deutschland ab 1945</title>
		<link>http://www.sozialwissenschaften-online.net/antisemitismus-und-empirische-antisemitisforschung-in-deutschland-ab-1945</link>
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		<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 15:14:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stef</dc:creator>
				<category><![CDATA[Antisemitismus]]></category>
		<category><![CDATA[Politikwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Antisemitismusforschung]]></category>
		<category><![CDATA[BRD]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[empirische Sozialforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Umfrageforschung]]></category>

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		<description><![CDATA[Antisemitismus und Antisemitismusvorwürfe sorgen in der BRD immer wieder für Skandale. Und das seit ihrem Bestehen. Und dennoch: es war nicht immer so, wie es heute ist. Der folgende Artikel fasst die empirische Antisemitismusforschung nach 1945 zusammen. Dabei wird die Veränderung von Anzahl und Ausmass an Antisemitsmus in der BRD untersucht, sowie auf die wechselnden Formen des Antisemitmus eingegangen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Antisemitismus und Antisemitismusvorwürfe sorgen in der BRD immer wieder für Skandale. Und das seit ihrem Bestehen. Und dennoch: es war nicht immer so, wie es heute ist. Der folgende Artikel fasst die empirische Antisemitismusforschung nach 1945 zusammen. Dabei wird die Veränderung von Anzahl und Ausmass an Antisemitsmus in der BRD untersucht, sowie auf die wechselnden Formen des Antisemitmus eingegangen.</p>
<p><span id="more-28"></span></p>
<p>Antisemitismus wird in der Umfrageforschung über das sozialpsychologische Einstellungskonzept operationalisiert, woraus eine Einteilung in Stereotype (kognitiv), negative Gefühle Juden gegenüber (affektiv) und Diskriminierungsbereitschaft (konativ) folgt. Unangemessenerweise wurde meist nur die kognitive Komponente erhoben.</p>
<p>Bezüglich der Ausprägung von Antisemitismus scheint die Einteilung nach Weil sinnvoll, der traditionellen, volkstümlichen Antisemitismus mit starken religiösen Diffamierungstendenzen von politisch-nationalistisch-rassistischem Antisemitismus unterscheidet und diese noch mal von sozialen Konflikten zwischen Bevölkerungsgruppen abgrenzt, wobei letztere durch die beiden ersten Ausprägungen auch überlagert werden können, bzw. durch Vorurteile Juden eher als Sündenböcke für Probleme ausgewählt werden. Im Gegensatz zu den beiden anderen Formen von Antisemitismus können soziale Konflikte aber besser durch rationale Maßnahmen gelöst werden. Für DE und AT ist zudem das Phänomen des sekundären Antisemitismus relevant: antisemitische Einstellungen, die den Holocaust als Ausgangsbasis haben.</p>
<p>Insgesamt verlief empirische Antisemitismus-Forschung diskontinuierlich und ereignisbezogen (Prozesse, Schmierwellen oder Jahrestage), insbesondere aber nicht durch Theorie und Hypothesen geleitet. Ab den 1980ern verbessert sich die Datenlage deutlich, was nicht zuletzt auf verschiedene Jahrestage, Skandale und Übergriffswellen zurückzuführen ist.</p>
<p>Nur wenige Items wurden wiedererhoben, Panelbefragungen fehlen. Es gab weder ein gemeinsames Forschungsprogramm noch eine Systematik. Die Daten wurden oft chaotisch produziert und über ad hoc Designs und Items mit wechselnden Kodierungen und Kategorisierungen erhoben. Abgrenzungen und Kategorien wurden meist ebenfalls ad hoc neu entschieden und auch die Stichprobenziehung differiert (verschiedene demographische Variablen, bzw. Variablenausprägung berücksichtigt). Neben der Anbindung fehlt auch die Rückkoppelung an die durch Theorie und Hypothesen geleitete Sozialwissenschaft fast vollständig.</p>
<p>Trends können nur näherungsweise geschätzt werden, indem man &#8220;ähnliche&#8221; Fragestellungen aus unterschiedlichen Stichproben miteinander vergleicht (Problem neben unvergleichbaren Stichproben auch Validität und Reliabilität der Vergleiche: inwieweit entspricht sich &#8220;Es wäre besser keine Juden im Land zu haben&#8221; und &#8220;Es wäre besser wenn die Juden nach IL gingen&#8221;?) und moderne sozialwissenschaftliche Theorien zum Komplex Antisemitismus fehlen.</p>
<h2>1. Materialübersicht</h2>
<p>Weiterhin gab es kleinere Umfragen, insbesondere auch durch die ADL. Diese enthalten aber keine soziodemographischen Daten und wurden selten Studien weiteranalysiert. Aber auch die anderen Daten wurden in nur sehr wenigen Arbeiten als Gesamtheit ausgewertet. Dazu gehören die Arbeiten von Merrit &amp; Merrit aus den 1970ern, die sich jedoch auf die frühe Nachkriegszeit beschränken. 1980 folgte Weil mit einer Analyse der Daten von 1945-1980 in einem knapp 20-seitigen Aufsatz zu &#8220;Antisemitism in Westgermany after the Holocaust&#8221; und weiteren Aufsätzen in den 1980ern.  Ab der zweiten Hälfte der 1980er sind es vor allem Bergmann/Erb/Wetzel vom und aus dem Umkreis des ZfA die sich in DE dieser Aufgabe angenommen haben und bis in die späten 1990er Monopol auf empirische Antisemitismus-Forschung in der BRD und der Analyse der Daten haben. Ab 2000 kommen Sekundärstudien von Wittenberg, teilweise mit Manuela Schmidt hinzu.</p>
<table border="0" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td colspan="3" width="485" valign="top"><strong>Empirische Studien und Umfragen    zum Antisemitismus in der BRD ab 1945</strong></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" width="80" valign="top">
<p align="center"><strong>1946–1949</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" width="40" valign="top">
<p align="center"><strong>1</strong></p>
</td>
<td width="365" valign="top"><strong>OMGUS    Reports der amerikanischen Militärverwaltung</strong></td>
</tr>
<tr>
<td width="365">AS als    Teilaspekt enthalten<br />
Verwendet in 1970ern von Merrit/Merrit</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1949–1955</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>2</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>HICOG/DIVO    Fortsetzung der OMGUS Reports</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Schwerpunkte    wie bei OMGUS auf Entnazifizierung, Wiedergutmachung, Einstellung zu NS,    Kollektivschuld, Judenverfolgung<br />
Verwendet in 1970ern von Merrit/Merrit</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1949</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>3</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>IfD Allensbach</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Demographisch    kontrollierte Umfrage zu AS<br />
Einige Items bis 1964 wiedererhoben</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1960/1967</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>4</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>Emnid, IfS</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Reaktion    auf Schmierwelle und Eichmann-Prozess<br />
Nicht Einstellung zu AS</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1961–1962</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>5</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>Melvin Tuman</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Internationaler    Vergleich von Rassismus, Ethnozentrismus und Antisemitismus<br />
Unveröffentlicht, Ausgewertet 1980 durch Badi Panhani</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1972–1975</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>6</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>DFG/Silbermann/Sallen</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Rassismus,    Antisemitismus und Nationalismus in BRD<br />
Ohne Folgestudien, Kritik an Design und Auswertungsmethodik</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1980</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>7</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>Demoskopie, v.a. für    die Landeszentralen für Pol. Bildung</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Flankierend    zu Holocaust-Serie<br />
Leider keine Panelbefragung</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1980</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>8</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>Sinus-Studie für    Bundeskanzleramt</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Rechtsextremismus,    Autoritarismus etc.<br />
Antisemitismus einer von insgesamt sechs Fragen-Komplexen</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1984</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>10</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>IfD Allensbach im    Auftrag des BMDI</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Studie    zu Extremismus<br />
Einige, wenige Fragen zum Antisemitismus</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1986</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>11</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>IfD Allensbach/Stern,    außerdem Emnid wegen Fassbinder</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Deutsche    und Juden – 40 Jahre danach<br />
Öffentliche Auseinandersetzung um AS getrackt</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1987–1990</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>12</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>IfD für ZfA und ADL    B’nai B’rith</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Gut    designte Umfrage zu Antisemitismus, als langfristiges Messinstrument geplant<br />
Hauptveröffentlichung 1990 Bergmann/Erb</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1990</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>13</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>DDR Umfrage AJC</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Meinungsumfrage,    verarbeitet durch Uni-Erlangen-Nürnberg</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1990</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>14</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>DDR Umfrage Institut    für Soziologie Erlangen-Nürnberg</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Eigene    Umfrage und Verarbeitung der AJC 1990 Daten</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1990</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>15</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>IfD für ZfA und ADL    B’nai B’rith</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Gut    designte Umfrage zu Antisemitismus, als langfristiges Messinstrument geplant<br />
Hauptveröffentlichung 1990 Bergmann/Erb</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1991</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>16</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>Emnid</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Ausgewertet    durch Wittenberg/Schmidt</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1994</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>17</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>Emnid</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Ausgewertet    durch Wittenberg/Schmidt</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1996</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>18</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>ALLBUS</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Ausgewertet    durch Wittenberg/Schmidt</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1998</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>19</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>Forsa / Die Woche</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Ausgewertet    durch Wittenberg/Schmidt</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>2002</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>20</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>Infratest    Sozialforschung / American Jewish Committee </strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Ausgewertet    durch Wittenberg/Schmidt</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h2>2. Ergebnisse</h2>
<p>Neben dem Erhebungschaos wird die Dateninterpretation auch durch die wachsende gesamtgesellschaftliche Unsicherheit darüber was als Antisemitismus zu werten ist und immer neu gezogene Abgrenzungen in den Studien erschwert. Diese machen zwei, anfänglich widersprüchlich erscheinende Trends aus:</p>
<ol>
<li> Die Zustimmung zu antisemitischen Items ist seit 1945 deutlich gesunken. Diese Ergebnisse der deskriptiv-statistischen Demoskopie werden von manchen als Lernprozess aufgefasst, andere vermuten eher Sponsorship-Effekte und ein Response-Set als Ursache dafür (zusammenfassend auch Kommunikationslatenz genannt).</li>
<li> Clusteranalysen und Antisemitismus-Skalen machen seit 1945 nur einen relativ moderaten Rückgang antisemitisch eingestellter Einstellungsgruppen aus.</li>
</ol>
<p>Der scheinbare Widerspruch lässt sich m.E. leicht auflösen: Clusteranalysen orientieren sich per Definitionem an stichprobeninternen, relativen Größen (wie dem Mittelwert) und nicht an stichprobenübergreifenden, absoluten Werten. Deshalb leiden sie ebenso wie Studien zur Verbreitung von Armut darunter, dass das untersuchte Phänomen niemals verschwindet, solange die Varianz innerhalb der Gruppe nicht gegen Null strebt. M.E. zeigen die Clusteranalysen zu Recht, dass es unterschiedlich stark reservierte, philosemitische und auch klar antisemitische Bevölkerungsteile gibt. Aber ein Blick auf die antisemitischen Items, die heutzutage noch Zuspruch erfahren zeigt, dass diese oftmals &#8220;weicher&#8221; sind, als die aus früheren Umfragen. Items wie &#8220;Es wäre besser keine Juden im Land zu haben&#8221; erfahren nur noch wenig Zuspruch. Insgesamt haben der traditionelle und der politische Antisemitismus stark an Boden verloren, während wirtschaftlich konnotierte Klischees zwar an Schärfe verloren haben, aber noch häufiger anzutreffen sind.</p>
<p>Als neues Phänomen tritt der sekundäre Antisemitismus in Erscheinung. Richtig ist aber auch, dass die Umfragen durchaus in der Lage unterschiedlich große Cluster für Ost- und Westdeutschland festzustellen. Die Rückgänge in der Häufigkeit antisemitischer Einstellungen sind also ernst zu nehmen, der relativ geringe Rückgang der Cluster kann auch durch eine höhere Sensibilität erklärt werden, was insgesamt ein etwas positiveres Bild vermuten lässt.</p>
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