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	<title>Sozialwissenschaften Online</title>
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	<description>Volkswirtschaftslehre • VWL • Soziologie • Politikwissenschaft</description>
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		<title>Geschichte der Soziologie &#8211; Teil 1 &#8211; Ansätze</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Mar 2009 20:06:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stef</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte der Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Geschichte der Soziologie – das folgende Skript (und die folgenden Teile) basieren frei auf den Vorlesungen von Prof. Dr. Hammerich wie sie im Sommersemster 2003 an der RWTH Aachen gehalten wurden.

Bevor wir uns näher mit der Geschichte der Soziologie als solcher befassen, wollen wir noch kurz zwei Fragen beantworten, die zwar banal sind, deren aber Beantwortung für das folgende Vorgehen von Bedeutung sein wird. Es fällt nämlich auf, dass Geschichten der Soziologie mitunter sehr unterschiedlich geschrieben sind. Dafür gibt es einfache Gründe, denen im Folgenden kurz nachgegangen wird. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Script: Geschichte der Soziologie &#8211; Teil 1</p>
<div style="float:left; margin:2px; padding:3px"></div>
<p>Geschichte der Soziologie – das folgende Skript (und die folgenden Teile) basieren frei auf den Vorlesungen von Prof. Dr. Hammerich wie sie im Sommersemster 2003 an der RWTH Aachen gehalten wurden.</p>
<p>Bevor wir uns näher mit der Geschichte der Soziologie als solcher befassen, wollen wir noch kurz zwei Fragen beantworten, die zwar banal sind, deren aber Beantwortung für das folgende Vorgehen von Bedeutung sein wird. Es fällt nämlich auf, dass Geschichten der Soziologie mitunter sehr unterschiedlich geschrieben sind. Dafür gibt es einfache Gründe, denen im Folgenden kurz nachgegangen wird.</p>
<p><span id="more-169"></span></p>
<h3>1. Warum eine der Geschichte der Soziologie und was ist überhaupt Soziologie?</h3>
<p></p>
<p>Nach Lazarsfeld (?) schreibt jemand, der eine Wissenschaft nicht betreiben kann, ihre Geschichte. Doch neben einem Mangel an Ideen kann das Schreiben der Geschichte eines Fachs auch ein Zeichen für eine gewisse Reife sein. Überblicke zur soziologischen Theorie vermitteln zwar Positionen innerhalb der Soziologie, nicht aber deren Genese, erklären aber nicht, warum sich die Soziologie in einem bestimmten Raum und zu einer bestimmten Zeit mit bestimmten Themen vorrangig beschäftigt hat. Die Geschichte der Soziologie steht damit aber auch – so wie die soziologischen Theorien – vor der Aufgabe zu definieren was Soziologie denn nun ist. Die Vorschläge in diesem Sinne reichen von der »empirischen Einzelwissenschaft« bis zur »Revolutionswissenschaft«, auch die Begriffe »Realitäts- oder gar Gegenwartswissenschaft« sind schon gefallen.</p>
<p>Macht man es etwas einfacher und hält fest, dass Soziologie immer etwas mit Gesellschaft zu tun hat (obwohl auch das nicht immer unumstritten war!) stellt man schnell fest, dass sich auch andere Disziplinen mit der Gesellschaft beschäftigen : neben Kirche und Staatswissenschaft, auch die Sozialphilosophie und die Wirtschaftswissenschaft – um nur einige zu nennen. Die Geschichte der Soziologie könnte also – je nach Ansatzpunkt – mit Comte und Durkheim beginnen, oder aber bei Augustinus, wenn nicht gar bei Platon selbst.</p>
<div style="float:left; margin:2px; padding:3px"></div>
<p>Eine allgemein akzeptierte Definition von Soziologie ist die von Max Weber, nach der Soziologie <em>soziales Handeln deutend verstehen und in seinem Ablauf und Wirken ursächlich erklären</em> solle. Damit vereint Weber zwei verschiedene wissenschaftstheoretische Ansätze, den naturwissenschaftlichen der ursächlich erklären will und zweitens einen interpretativen, geisteswissenschaftlichen Ansatz. An dieser Definition wird aber auch deutlich, dass es nützlich ist, sich ein bisschen mit der Geschichte der Soziologie zu beschäftigen, denn diese kombinierte Definition entstand nicht im luftleeren Raum, sondern aus dem Bedürfnis heraus, die Soziologie als eigenständiges Fach gegen die konkurrierenden Fächer, die sich ebenfalls mit der Gesellschaft befassen, abzugrenzen.</p>
<p>In der Tat ist es sinnvoll die Soziologie nicht durch ihren Objektbereich – die Gesellschaft – von anderen Disziplinen abzugrenzen, sondern durch die Fragestellungen an diesen Objektbereich. Soziologie war nicht immer nur ein Beschreiben der Realität, sondern auch ein Fragen nach den Alternativen. Soziale Fragestellungen wurden oft aus einer Unzufriedenheit mit den aktuellen Umständen heraus aufgeworfen – die Soziologie begegnete uns dann als »bürgerliche Oppositionswissenschaft« oder gar »Revolutionswissenschaft«. Dies geschah typischerweise in Umbruchsituationen (»Krisenwissenschaft«), gerade das 19. Jahrhundert und seine Umbrüche, die Auflösung des bisherigen Selbstverständnisses boten zahlreiche Gelegenheiten dafür. Doch auch vorher wurden schon immer wieder soziologische Fragestellungen aufgeworfen (wodurch unterschiedliche Datierungen für die Anfänge der Soziologie leicht möglich werden). Als Beispiel sind fünf solcher Fragen ausgewählt:</p>
<ol>
<li>Wie ist Gesellschaft möglich, wenn Menschen von Natur aus egoistisch veranlagt sind?Es war Thomas Hobbes der sich diese Frage vor dem Hintergrund der damaligen Religionskriege stellte, und sie mit der Forderung nach einer Zwangsinstitution beantwortete: Ein starker Souverän sei nötig um die Gesellschaft zu befrieden.</li>
<li>Warum ist gesellschaftliche Ordnung notwendig und wie ist sie zu erreichen?Auch diese Frage wurde von Thomas Hobbes gestellt und damit beantwortet, dass der Mensch als Einzelwesen, seine Ziele nicht erreichen könne, also die Gesellschaft zum (über-)leben bräuchte. Notwendig dafür sei eine soziale Ordnung und Sicherheit – gestiftet durch den Souverän – damit die Gesellschaft nicht in Anomie, dem Fehlen von Regeln, versinke und auseinanderfalle.</li>
<li>Was ist die richtige Form sozialer Ordnung und wie lässt sich das Spannungsfeld zwischen sozialer Ordnung und individueller Freiheit lösen?Diese Frage geht vor allem auf die bürgerliche Aufklärung zurück, die zwar die Notwendigkeit sozialer Ordnung sah, im Gegensatz zu Hobbes aber auch die Notwendigkeit individueller Freiheit und der Abwehr staatlicher Willkür.</li>
<li>Was sind die Voraussetzungen sozialer Ordnung beim Menschen, wie wird der Mensch gesellschaftsfähig?Abgesehen davon, dass diese Frage in den »herrschaftsfreien Diskursen« auftauchte, bildet sie den Ausgang für die durchaus nützlichen Theorien der Sozialisation. Sie tauchen aber vergleichsweise spät auf (wenn wir mal von Aristoteles Tautologie des Zoon Politkons absehen).</li>
<li>Wie realisiert sich im Individuum ein Verständnis von Gesellschaft? Wie begreifen Individuen Gesellschaft?Hier geht es um die Mechanismen sozialer Angleichung und die Konstruktion von Realität. Auch diese Fragen treten relativ spät auf.</li>
</ol>
<p>Die Geschichte der Soziologie wird trotz dieser Vielfalt an Fragestellungen und möglichen Ansätzen dadurch möglich, dass es auch eine Gemeinsamkeit zwischen diesen gibt: nämlich das Interdependenzverhältnis zwischen Individuum und gesellschaftlichem Rahmen, sprich anderen Individuen.</p>
<h3>2 Wie ist eine Geschichte der Soziologie zu betreiben?</h3>
<p>Auch diese Frage lässt sich unterschiedlich beantworten, wir unterschieden fünf Ansätze:</p>
<ol>
<li><strong>Dogmengeschichtlicher Ansatz</strong>
<p>Dieser Ansatz geht typischerweise von einer Linearen Entwicklung der Soziologie aus. Die Soziologie entwickelt sich zunehmend und der betrachtete Entwicklungsstrang wird als Fortschritt begriffen.</li>
<li><strong>Die Ideengeschichte<br />
</strong></p>
<div style="float:right; margin:2px; padding:3px"></div>
<p>Die Ideengeschichte fokussiert bestimmte Fragestellungen und zeichnet deren Entwicklung nach. Da andere Disziplinen bereits soziologische Fragestellungen aufwarfen bevor es die Soziologie als Institution überhaupt gab, hat dies starke Auswirkungen auf die Datierung der Anfänge der Soziologie.</li>
<li><strong>Die Institutionengeschichte</strong>
<p>Die Institutionengeschichte fragt danach, wo die Soziologie in institutionalisierter Form auftritt und verfolgt die Entstehungen von Zeitschriften, Verbänden und Professuren. Die Anfänge der Soziologie werden dementsprechend relativ spät datiert.</li>
<li><strong>Der wissenssoziologische Ansatz</strong>
<p>Der wissenssoziologische Ansatz fragt nach räumlichen, zeitlichen und biographischen Bedingungen, die bestimmte Fragestellungen und Theorien virulent werden liessen. Beispielsweise: Warum schätzte Weber das Beamtentum? oder welche Menschen betreiben Systemtheorie? <img src='http://www.sozialwissenschaften-online.net/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </li>
<li><strong>Der (periodische) Ansatz der thematischen Relevanzen</strong>
<p>Dieser Ansatz geht der Frage nach, zu welchen Zeiten welche Themen besonders relevant waren, und zeichnet z.B. die starke pädagogische Orientierung der 1970er Jahre nach.</li>
<p></ol>
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		<title>Die EU im Karikaturenstreit &#8211; Eine Chronologie</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 16:14:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stef</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politikwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bilderverbot]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Karikaturen]]></category>
		<category><![CDATA[Karikaturenstreit]]></category>
		<category><![CDATA[Mohammed Karikaturen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die EU im Karikaturenstreit. Eine Chronologie der Ereignisse, normative Positionen und die Handlungsfţhigkeit der EU als Globaler Akteur in Krisenzeiten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die EU im Karikaturenstreit. Diese Hausarbeit gibt eine detaillierte Chronologie der Ereignisse sofern die EU als Akteur betroffen war, fasst die normativen Positionen während des Karikaturenstreits zusammen und und untersucht die Handlungsfähigkeit der EU als Globaler Akteur in Krisenzeiten. Das Ergebnis ist, dass der Karikaturenstreit auch einen Angriff auf die Europäische Staatengemeinschaft darstellte, ein Angriff, dem europäische Politiker und Institutionen keineswegs gewachsen waren, obwohl sie mehrfach direkt angegriffen wurden. </p>
<p>Anmerkung: Die Quellenangaben befinden sich auf Seite 7 des Artikels, die Fussnoten auf Seite 8</p>
<p><span id="more-36"></span></p>
<p><em>It is my  belief that in this global age a Union of our size, with our interests, history and val­ues, has an obligation to assume its share of responsibilities. The question, therefore, is not whether we play a global role, but how we play that role.</em></p>
<p><em>Javier Solana, 2002<a href="#_ftn1" name="_ftnref1" title="">[1]</a></em></p>
<div style="float:left; margin:3px; padding:2px"></div>
<p>Nicht minder entschlossen als diese beschwörenden Worte Solanas klingen die fünf im Vertrag von Maastricht für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU (GASP) festgelegten Ziele: Die Verteidigung gemeinsamer Werte und Interessen seien ein Ziel, ferner die Unabhängigkeit und Integrität der EU, die Friedenserhaltung und Förderung, die Förderung internationaler Kooperation und außerdem die Entwicklung bzw. Konsolidierung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechten und Grundfreiheiten (vgl. Buradă 2006: 194). Der Karikaturenstreit war ein Ereignis, durch das   dieser Anspruch der EU an sich selbst auf die Probe gestellt wurde. In seinem   Verlauf waren nicht nur die verschiedenen Auffassungen von Religion und Staat   im »Wes­ten« und der »Welt des Islam« beobachtbar. Herrschaftsmechanismen in   der muslimischen Welt, verschiedene Formen des »Dialogs« traten während des   Karikaturenstreits ebenso deutlich hervor, wie die – keineswegs nur aufs   Ölgeschäft beschränkten – wirtschaftlichen Verflechtungen zwi­schen Europa und   der muslimischen Welt. Aber auch und gerade zu Fragestellungen zum europäischen   Selbstverständ­nis und zur europäischen Identität liefert der Karikaturenstreit   anschauliches Material.<a href="#_ftn2" name="_ftnref2" title=""> [2]</a> Nicht zuletzt kann der Karikaturenstreit dazu verwendet werden die von Solana   beschworene außenpoliti­sche Potenz der EU zu untersuchen.</p>
<div style="float:right; margin:3px; padding:2px"></div>
<p>Ziel dieser Arbeit ist ein Zweifaches. <i>Erstens:</i> Da der Karikaturenstreit bisher nicht akade­misch aufgearbeitet wurde – dem unerhörten Medienecho zum Trotz<a href="#_ftn3" name="_ftnref3" title=""> [3]</a> – sondern allen­falls als Aufhänger für inhaltlich letztlich anders fokussierte Arbeiten Verwendung fand, muss es ein erstes Ziel sein, den Ereignisverlauf positiv zu rekonstruieren. Dazu dient Kapitel 2.1. Da der Karikaturenstreit normativ stark polarisierte stelle ich in Kapitel 2.2 die wichtigsten normativen Positionen vor, die während des Karikaturenstreits eingenommen wurden. Die von Spiegel Online ins Leben gerufene Debatte an der sich viele Prominente, Wissenschafts­vertreter und Politiker beteiligten erweist sich dabei als besonders hilfreich. Andere Quellen werden bei Bedarf herangezogen, wobei sich die Auswahl – des bereits angedeute­ten Umfangs wegen – systematisch auf die deutsche Medienlandschaft beschränkt. Abgerundet wird dieser Überblick durch einige deutsche Meinungsumfragen zum Thema in Kapitel 2.3.</p>
<p><i>Zweitens:</i> Im dritten Kapitel, untersuche ich die außenpolitische Handlungsfähigkeit der EU anhand der in Kapitel 2 erarbeiteten Ereignisskizze, in die durch Kapitel 3.1 weitere bedeutende Vorfälle eingeordnet werden und ziehe so Rückschlüsse auf den Status der europäischen Identität.</p>
<p>Auf dieser Basis versuche ich zu zeigen, dass</p>
<ol>
<li>die europäische Identität   nach Innen fragmentiert ist und Differenzen den Akteu­ren naheliegender erscheinen   als die Gemeinsamkeiten. Dabei wird Europa – und zwar durchaus im Sinne eines Staatenblocks   mit Namen EU –  auf weltpolitischer Ebene als weitgehend homogene Einheit   wahrgenommen, die auch dann von anderen welt­politisch tätigen Akteuren als   Gemeinschaft adressiert wird, wenn der Anlass durch die Aktion(en) einzelner   Mitgliedsstaaten gegeben wurde. Diese Rolle wird von EU jedoch nur schwerfällig   realisiert.</li>
<li>die außenpolitische   Handlungsfähigkeit der EU ist supranationalen Teil durch die kla­ren   Kompetenzzuweisungen, die kurzen Kommunikationswege und die klaren Zielvorga­ben   eher sicher gestellt ist. Im intergouvernementalen Bereich aber, der mit der   GASP den größten Teil der europäischen Außenbeziehungen ausmacht, ist die Handlungsfähigkeit   nicht nur durch die komplizierte Organisation stark einge­schränkt. Auch die   innere Fragmentierung macht es der EU schwer in der gebotenen Zeit auf   weltpolitische Ereignisse zu reagieren, wo die EU als Einheit angesprochen wird   Dazu dient vor allem Kapitel 3.2.
 </li>
</ol>
<p>Explizit nicht Thema dieser Arbeit sind Fragen die den „Clash of Cultures“ (Huntington), die Integrationsdebatte oder den Status des Dialogs berühren.  Das Fazit in Kapitel 4 fasst die Ergebnisse zusammen um die aufgeworfenen Fragen zu beantworten.</p>
<p></p>
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		<title>Zu: Robert Kagan – Macht und Ohnmacht</title>
		<link>http://www.sozialwissenschaften-online.net/zu-robert-kagan-macht-und-ohnmacht</link>
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		<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 16:05:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stef</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politikwissenschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[transatlantische Beziehungen]]></category>
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		<description><![CDATA[Rober Kagan - neokonsivertiver Denker und Berater der Bush-Administration. Anlässlich des Bruchs im transatlantischen Bündnisses während des Irak Kriegs veröffentlicht Robert Kagan sein Buch »Macht und Ohnmacht«. Das wahre Problem sei, dass Europäer von der Venus kommen, Amerikaner jedoch vom Mars. So jedenfalls wird Kagan üblicherweise zusammengefasst. Der folgende Artikel fasst Kagans Thesen zusammen, zeichnet die nachfolgende Diskussion, vor allem aus der »Foreign Affairs« zusammen und berücksichtigt dabei auch Kagans Antwort auf die Kritik.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rober Kagan &#8211; neokonsivertiver Denker und Berater der Bush-Administration. Anlässlich des Bruchs im transatlantischen Bündnisses während des Irak Kriegs veröffentlicht Robert Kagan sein Buch »Macht und Ohnmacht«. Das wahre Problem sei, dass Europäer von der Venus kommen, Amerikaner jedoch vom Mars. So jedenfalls wird Kagan üblicherweise zusammengefasst. Der folgende Artikel fasst Kagans Thesen zusammen, zeichnet die nachfolgende Diskussion, vor allem aus der »Foreign Affairs« zusammen und berücksichtigt dabei auch Kagans Antwort auf die Kritik.</p>
<p><span id="more-34"></span></p>
<p> </p>
<h2>1 Das Problem: Amerikaner sind vom Mars, Europäer von der Venus</h2>
<p>  Die USA und die Europäer  stehen sich weltanschaulich gegenüber. Die Europäer hätten eine multipolare und kantische Vorstellung der IB, in der Diplomatie und Vertrag grundsätzlich die geeigneten Mittel zur Zielerreichung sein. Mit einem pazifistischen Sendungsbewusstsein ausgestattet betrachten Europäer Amerikaner als gewaltbereit(er) und nicht mit so viel Differenziertheit und  Überzeugungskraft gesegnet, wie sich selbst.</p>
<div style="float:left; margin:2px; padding:3px;"></div>
<p>  Amerikaner, so Kagan, haben eine hobbessche Sicht auf die IB: Militärische Macht sei die Basis für Frieden und Ordnung. Entsprechend seien Amerikaner eher bereit militärische Mittel zur Zielerreichung in den IB anzuwenden; ihr Vertrauen in internationale Organisationen und Verträge sei geringer. Da die USA über genügend große militärische Macht verfügen, seien sie zudem zu unilateralen Schritten bereit. Die Europäer sehen sie aber als differenziert an: UK sei den US sehr ähnlich, FR mit großem Selbstbewusstsein ausgestattet, DE mit großen Selbstzweifeln. Der Osten Europas sei durch seine Angst vor RU den USA in ihrer Weltsicht sehr ähnlich. </p>
<p>  Kagan ist sich bewusst, dass auf diese beiden Sichtweisen nicht ausschließlich auf je nur einer Seite des Atlantiks zu finden sein. Dennoch haben in dieser Hinsicht selbst linke und rechte Amerikaner mehr miteinander gemeinsam als die beiden Lager über den Atlantik hinweg. </p>
<h2>2 Die These von Robert Kagan</h2>
<p>  Europa hat sich seit neustem von der Machtpolitik abgewandt, die USA haben sich dieser erst langsam zugewandt. Die heutigen Verhältnisse sind also historische Spiegelbilder (Washington, Hamilton, J. Adams, Jefferson) was zwei Ursachen habe:</p>
<ol>
<li>  Das Machtgefälle: Das relative Machtverhältnis zwischen USA und Europa habe sich gewandelt. Eine egalitäre Perspektive auf die IB sei durch relative außenpolitische Schwäche bedingt, komme und schwinde mit dieser.</li>
<li>	Unterschiedliche ideologische Entwicklung in Folge anderer historischer Erfahrungen. Auch hier erkläre relative Stärke bzw. Schwäche die Positionen (mit)</li>
</ol>
<h2>3 Die Begründung von Robert Kagan</h2>
<div style="float:right; margin:3px; padding:2px;"></div>
<p>  Europas Niedergang als Weltmacht begann mit der gegenseitigen Zerrüttung durch WW I und die gegenseitige Schwächung der verbliebenen Mächte in der Zwischen-kriegszeit, während gegenüber DE Appeasementpolitik betrieben wurde, die man selbst für rationale Analyse und spitzfindige Argumente hielt. WW II beendete Euro-pas Weltmachtstellung endgültig, wie auch die Unfähigkeit die Kolonien zu halten demonstrierte. Die globale Verantwortung gaben die Europäer im Kalten Krieg voll-ständig an die USA ab und gerieten in die strategische Abhängigkeit von den USA anstatt, wie von Roosevelt gehofft, zur dritten Kraft zu werden. Die Beziehung zwi-schen den USA und Europa war von einer permanenten Auseinandersetzung um die Lastenverteilung geprägt, und die Wichtigkeit Europas als Schauplatz im Kalten Krieg führte diese dazu ihre weltpolitische Bedeutung zu überschätzen. Die Entwicklung setzte sich im Zuge der Balkankriege der 1990er fort. </p>
<p><em>  Frage: Wenn Europa unbedeutender war, warum war den USA der Schauplatz Europa dann so wichtig? Lässt sich das nur auf die Notwendigkeit nach einem Verbündeten zurückführen? </em></p>
<p>  Durch das EU-Projekt wollten die Europäer wieder zum global player werden &#8211; auch militärisch &#8211; eine Möglichkeit an die selbst Huntington glaubte. Doch hat die EU nicht mehr Lasten für die globale Sicherheit auf sich genommen &#8211; und die USA im Gegenzug auch nicht mehr Rücksicht auf die EU. Diese ist zwar ökonomisch ein hervorragender global player geworden, musste aber feststellen, dass auch nach dem Ende des Kalten Kriegs militärische Macht nach wie vor entscheidend ist. Vielmehr enthüllten die Krisen der 1990er Europas militärische Uneinigkeit und Ohnmacht, z.B. als es ihnen nicht gelang ein paar Randalemacher im Kosovo ruhig zu stellen. Daraus ergab sich ein weiterer Abstieg in der Hierarchie der IB und gegenüber den USA. </p>
<p>  Die USA dagegen hatten lange Zeit ebenfalls auf kollektive Institutionen und den Vorrang internationalen Rechts vor den Prärogativ der Stärke gesetzt. Unter ihrem Einfluss, insbesondere unter Woodrow Wilson, entstanden in der Zwischenkriegszeit die ersten Versuche auf diese Weise Frieden zu stiften. Doch blieben diese weitgehend ungehört. Die größere Kriegsbereitschaft der USA beruht nicht auf einer größeren Risikofreude der USA (und umgekehrt). Sie sei einfach eine Funktion des militärischen Vermögens. Die USA habe konstant deutlich höhere Verteidigungsausgaben als die Europäer gehabt. Mit dem Zerfall SU kam es zu einem immensen Machtzuwachs der USA. Ihr Spielraum hat sich ohne ernst zu nehmenden Gegner erheblich erweitert. Der ehem. französische Außenminister Huber Vedrine bezeichnete die USA auch als Hyperpuissance (Hyper power). </p>
<div style="float:left; margin:3px; padding:2px;"></div>
<p>  Ein Beispiel für das Machtgefälle zwischen EU und USA lieferte der Kosovokrieg. Die EU blamierte sich durch knappe und veraltete Mittel (selbst &quot;Militärmacht&quot; UK konnte nur 4% der Flugzeuge und Bomben beisteuern; 99% aller Aufklärungsgeräte kamen aus USA) und erwies sich als Klotz am militärischen Bein der USA. Die Erfahrungen aus dem Kosovo-Krieg waren auch Anlass für den Alleingang der USA in Afghanistan. Das Scheitern des europäischen Plans (Chirac, Blair) eine 60,000 Mann starke Einsatztruppe aufzustellen und die nachträgliche Verharmlosung dieses Misslingens  &#8211; indem das geplatzte Projekt auf Vorschlag Belgiens für &quot;einsatzbereit&quot; erklärt wurde &#8211; demonstrieren einmal mehr, wie weit Europa davon entfernt ist, sich effektiv verteidigen zu können. </p>
<p>  Um wieder mächtig zu werden müssten die Europäer den Sozialstaat zugunsten der Verteidigung einschränken. Ihre passive Territorialverteidigung, ein Erbe des Kalten Krieges, müsste um mobile Einsatztruppen und moderne Technologie erweitert wer-den. Doch stattdessen habe sich Europa für die Friedensdividende entschieden und seine Verteidigungsausgaben sogar gesenkt. Ihr Budget weist konstant unter 2% des BIP auf, das USA jedoch über 3%. </p>
<p>  Basis für die ideologischen Divergenzen ist das unterschiedliche militärische Vermögen im Sinne des sozialpsychologischen Zusammenhangs von Verhalten und Einstellung; oder marxistisch gedeutet: zwischen Basis und Überbau. Die kulturelle Erklärung für diese Differenzen &#8211; auch in der Gefahrenbewertung (failed vs. rogue states) weist Kagan zurück. Europäer bewerten Gefahrenquellen nicht toleranter, weil sie an die Gefahr gewöhnt seien und Amerikaner eben nicht, sondern weil die Europäer gegen diese nicht viel tun können, Amerika aber schon. 300 Jahre Religionskriege in Europa haben ebenso wie die letzten 200 wenig friedlichen Jahre von DE und FR gezeigt, dass die europäische Toleranz traditionell nicht so ausgeprägt ist, wie gerne behauptet. Auch glaubt Kagan nicht, dass die Europäer leidensfähiger seien und die Gefahren deshalb toleranter bewerten. Sie haben einfach mehr Angst und betreiben Appeasementpolitik. Auch Steven Evert bescheinigt den Europäern solche Verdrängungsmanöver: Sie sprechen lieber von Herausforderungen als von Gefahren und ruhen sich darauf aus, dass (ihrer Meinung nach) diese Gefahren die USA vielmehr beträfen als sie selbst. </p>
<p>  Uneigennützig sei das Kalkül der Europäer keineswegs: wo sie sich relativ stark glauben (Wirtschaft und Diplomatie), da setzen sie Akzente, wo sie sich relativ schwach glauben weichen sie aus. Lieber möchten sie die USA schwächen, indem sie an ihr Gewissen appellieren, als selbst die Mühen auf sich zu nehmen und stark zu werden. Der EU fehlt es nicht einfach nur an militärischer Macht, sondern am politischen Willen zu dieser, die Ressourcen (Geld, Bevölkerung) wären ja vorhanden. Durch den Kampf der USA in der hobbesschen Welt können sich die Europäer als free-rider bequem im kantschen Reich des ewigen Friedens niederlassen und ihren Weg weltweit als Beispiel anpreisen (Prodi).</p>
<p><em>  Frage: Übersieht Prodi hier, dass Europa erst einmal »ausgebombt« werden musste, bis es zu diesem Weg &#8211; unter der Führung Amerikas &#8211; bereit war?</em></p>
<p>  Genau aber dieses Sendungsbewusstsein, das Kapital und die Mission der Euro-päer, sieht die EU durch Amerikas Macht und die Bereitschaft diese einzusetzen gefährdet. Die EU sieht keine Mission für sich die Macht erfordert, Geopolitik nehme sie nicht wichtig. Wenn sie mehr Macht wolle, dann nur um die USA zu schwächen.</p>
<p>  Die USA wollten Europa zwar immer den Rücken kehren und nicht für deren Eska-paden (WWI, II, KK) zahlen und doch prägten sie Europa über 90 Jahre mit und im Kalten Krieg wurde Europa zum Bollwerk der Freiheit. </p>
<p>  Manche Europäer, so Robert Cooper, erkennen an, dass das kantische Paradies in der hobbesschen Welt nur mit einer Doppelmoral verteidigt werden kann, indem die USA außerhalb der kantischen Welt militärische Mittel einsetzt. An diese Doppelmoral müsse man sich schon gewöhnen, wenn das Paradies weiter bestehen solle. Aus diesem Grunde nehmen die USA für sich einen Platz über der Verfassung in Anspruch, (vielleicht so wie der machiavellistische Fürst). </p>
<p></p>
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		<item>
		<title>Demographie und Bevölkerungsentwicklung in Deutschland ab 1945</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 15:59:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stef</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nach einer langen Phase des Wachstums ist für die BRD nun mit einer &#8211; der seit Jahrzehnten niedrigen Fertilität entsprechend &#8211; schrumpfenden Bevölkerung zu rechnen. Und auch der deutlich gestiegenen Lebenserwartung wegen schrumpft der Anteil der jungen Bevölkerung relativ zu der Älteren. Im Gegensatz zu den letzten Dekaden wird der traditionell positive Migrationssaldo diese Entwicklungen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="float:left; margin:2px, padding:3px;"></div>
<p>Nach einer langen Phase des Wachstums ist für die BRD nun mit einer &#8211; der seit Jahrzehnten niedrigen Fertilität entsprechend &#8211; schrumpfenden Bevölkerung zu rechnen. Und auch der deutlich gestiegenen Lebenserwartung wegen schrumpft der Anteil der jungen Bevölkerung relativ zu der Älteren. Im Gegensatz zu den letzten Dekaden wird der traditionell positive Migrationssaldo diese Entwicklungen wahrscheinlich nicht mehr ausgleichen können. Nicht nur die sozialen Sicherungssysteme werden deshalb &#8211; zu Recht &#8211; als gefährdet angesehen. Die Größe der Bevölkerung legt in vieler Hinsicht die Spielräume einer Gesellschaft fest: sie bestimmt deren wirtschaftliche Leistungsfähigkeit mit, die Innovationspotentiale, den möglichen Grad an Arbeitsteilung oder auch nur die Antwort auf Frage, ob es sich lohnt eine flächendeckende Mobilfunkversorgung einzurichten. Nicht zuletzt bestimmt sie auch die Lebenschancen der Einzelnen. Dabei ist sie selbst ein soziales Phänomen, das durch das Handeln der Individuen getragen wird.</p>
<p><span id="more-32"></span></p>
<div style="float:right; margin:3px, padding:2px;"></div>
<p>Im Folgenden wird die Bevölkerungsentwicklung von 1945-1989 für die BRD und DDR getrennt und ab 1990 gemeinsam nachgezeichnet (Kapitel 2). Eingegangen wird dabei auf die drei Komponenten des Bevölkerungswachstums Fertilität, Mortalität und Migration. Anschließend werden die Entwicklungen und die daraus resultierende Alterstruktur sowie Bevölkerungsgröße zusammengefasst. Für das mittlerweile negative Bevölkerungswachstum in der BRD ist die niedrige Fertilität als zentrale Ursache festzumachen. In Kapitel 3 wird deshalb eine allgemeine Theorie generativen Verhaltens entwickelt, auf deren Basis dann in Kapitel 4 mögliche Maßnahmen diskutiert werden. Zur Datenlage ist zu sagen, dass es zwar immer wieder Probleme gibt (insbesondere bei der Betrachtung von Kohorten und der Mikroebene, aber auch Daten zu Migration und Lebenserwartung). Aber insgesamt ist die Datenlage zur Bevölkerungsstruktur verglichen mit anderen sozialwissenschaftlichen Forschungsfeldern eine gute, so dass eine weitere Diskussion hier unterbleibt.</p>
<h2>2 Bevölkerung in Deutschland nach 1945</h2>
<p>Die Bevölkerung (P) eines Landes ist eine Stromgröße, deren Veränderung durch Fertilität (B &#8211; Geburten), Mortalität (D &#8211; Todesfälle) und Migration (M = I-E; Immigration &#8211; Emigration) periodenbezogen bestimmt wird:</p>
<p>Gleichung 1: <em>P(t) = B &#8211; D + (I-E) + P(t-1) </em></p>
<div style="float:left; margin:3px, padding:2px;"></div>
<p>Die Bevölkerung der BRD wuchs bis ca. 1970, blieb bis 1985 mehr oder weniger konstant und wuchs dann erneut. Die Bevölkerung der DDR nahm im gleichen Zeitraum deutlich ab. Für die BRD nach 1990 lässt sich ebenfalls ein bescheidenes Wachstum beobachten. In der Zukunft aber ist mit einer Bevölkerungsabnahme zu rechnen. Die in Gleichung (1) aufgeführten Variablen spielten zu unterschiedlichen Phasen sehr verschiedene Rollen. Ihre Entwicklung hat zudem die Alterststruktur verändert, welche wiederum selbst auf die Bevölkerungsentwicklung zurückwirkt. Hradil folgend werden nun erst die Fertilität, die Mortalität und die Migration dargestellt, bevor dann deren Effekte auf die Gesamtbevölkerung der BRD und die Altersstruktur nachgezeichnet werden.</p>
<p></p>
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		<title>Mancur Olson &#8211; Collective Action und die Logik des kollektiven Handelns</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 15:56:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stef</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politikwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
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		<category><![CDATA[Öffentliche Güter]]></category>

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		<description><![CDATA[dada]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>dada</p>
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		<item>
		<title>Exkurs: Antisemitismus als sozialer Konflikt und Antisemitsmus in Europa</title>
		<link>http://www.sozialwissenschaften-online.net/exkurs-antisemitismus-in-europa-und-antisemitsmus-als-sozialer-konflikt</link>
		<comments>http://www.sozialwissenschaften-online.net/exkurs-antisemitismus-in-europa-und-antisemitsmus-als-sozialer-konflikt#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 15:15:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stef</dc:creator>
				<category><![CDATA[Antisemitismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Lässt sich Antisemitismus als sozialer Konflikt modellieren? Und wie sind die Ergebnisse der empirischen Antisemitismusforschung in Deutschland im europäischen Vergleich zu bewerten? Dieser Artikel gibt eine kuerze Einführung in das Thema.

Der Artikel ist Teil von Antisemitismus und empirische Antisemitisforschung in Deutschland ab 1945 wurde aber zur besseren Lesbarkeit ausgegeliedert. Es gilt die Bibliographie des Hauptartikels, was die verwendeten Quellen betrifft.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lässt sich Antisemitismus als sozialer Konflikt modellieren? Und wie sind die Ergebnisse der empirischen Antisemitismusforschung in Deutschland im europäischen Vergleich zu bewerten? Dieser Artikel gibt eine kuerze Einführung in das Thema.</p>
<p>Der Artikel ist Teil von <a title="Permalink to Antisemitismus und empirische Antisemitisforschung in Deutschland ab 1945" rel="bookmark" href="../antisemitismus-und-empirische-antisemitisforschung-in-deutschland-ab-1945">Antisemitismus und empirische Antisemitisforschung in Deutschland ab 1945</a> wurde aber zur besseren Lesbarkeit ausgegeliedert. Es gilt die Bibliographie des Hauptartikels, was die verwendeten Quellen betrifft.</p>
<p><span id="more-76"></span></p>
<h2>Exkurs 1: Antisemitismus als sozialer Konflikt</h2>
<p>Der Antisemitismus im Deutschen Reich entzündete sich oft  an sozialen Konflikten (ökonomisch/Modernisierung). Strauss zeigt, dass  antisemitische Wellen in der Vorkriegszeit und der Weimarer Zeit stark mit  sozialen Krisen korrelieren. Von den ca. 680.000 Juden lebten die meisten in  Großstädten. Im Gegensatz zu ihrem Bevölkerungsanteil von ca. 1% erreichten  sie in Berlin z.B. einen Anteil von über 6 %, der durch die  sozial-ethnische Enklavenbildung mit einer hohen Sichtbarkeit ausgezeichnet  war.</p>
<p>Auch sozio-ökonomisch hob sich die jüdische von der restlichen Bevölkerung  deutlich ab (Estel/Sombart/Strauss). Juden konzentrierten sich in nur wenigen  Handwerken, waren überwiegend im Handel (62 %) beschäftigt und verfügten  über kein Fabrikproletariat. Von den 100 reichsten Deutschen waren 30 Juden.  Anhand von Steuerstatistiken konnte Sombart ein im Durchschnitt 5-fach höheres  Einkommen für die jüdische Bevölkerung feststellen und dabei den Einwand  entkräften, es handele sich dabei um ein mathematisches Artefakt, wie es beim  arithmetischen Mittel auftreten kann. Diese Differenzen im Einkommensniveau galten  auch für »arme« Juden. Strauss charakterisiert die jüdische Unterschicht der  damaligen Zeit als »kleinbürgerlich«. Juden waren exponierte Träger der  kapitalistischen Entwicklung und gesellschaftlicher Modernität. Letztere war  die zweite wichtige Konfliktquelle mit traditionellen Kräften. Auch die  Sozialdemokratie fühlte sich so durch »die Juden« herausgefordert, bekämpfte  diese aber nicht ethnisch oder religiös, sondern als »Kapitalisten«.</p>
<p>Das ökonomische Konfliktpotential kann anderseits  <em><strong>nicht</strong></em> zur letztlichen Erklärung von Antisemitismus herangezogen werden. Denn  die Aversionen richteten sich nicht gegen erfolgreiche Händler,  Großwarenhausbesitzer, Bankiers, Viehhändler oder Journalisten als solche,  sondern gegen die Juden unter diesen (Estel). Die Mobilisierung antisemitischer  Ressentiments zu Krisenzeiten setzt diese bereits als präexistentes Vorurteil  voraus und geht von entsprechenden Identitäten aus. Vergleiche auch im Hauptartikel: <a title="Permalink to Antisemitismus und empirische Antisemitisforschung in Deutschland ab 1945" rel="bookmark" href="../antisemitismus-und-empirische-antisemitisforschung-in-deutschland-ab-1945">Antisemitismus und empirische Antisemitisforschung in Deutschland ab 1945</a>.</p>
<h2>Exkurs 2: Antisemitismus in Europa nach 1945</h2>
<p>Das Ende des WW II bedeutete keineswegs das Ende des  Antisemitismus in Europa. Bergmann unterscheidet sechs Phasen:</p>
<h3>1. Die Nachkriegsphase bis 1953</h3>
<p>Nach dem Krieg waren in vielen Ländern gewaltsame  Übergriffe auf Juden zu verzeichnen, insbesondere in Polen, wo die Konflikte um  zu restituierendes jüdisches Eigentum und der Vorwurf des »Judeokommunismus« zu  Ausschreitungen mit bis zu 2000 toten Juden zwischen 1944–1947 führte. Ähnliche  Vorfälle waren in der Slowakei zu verzeichnen. Von 1947–1948 kam es zu  antisemitischen Tumulten und eine Reihe von Friedhofsschändungen in  Westdeutschland und der SBZ. In UK war es der Untergrundkampf in Palästina der  als Anlass für antijüdische Übergriffe diente. FR versteckte sich hinter dem  Resistance-Mythos während eine antijüdische Partei mit 11% ins Parlament  einzog. Die tolerante Politik der SU schlug ab 1949 in ihr Gegenteil um und  führte zu extensiven antijüdischen »Säuberungen« die auf RO und die  Tschechoslowakei übergriffen.</p>
<h3>2. Beruhigung bis 1967</h3>
<p>Abgesehen von der Schmierwelle in der BRD um 1960, Übergriffe  in PL und »Kader-Säuberungen« in HU blieben diese Jahre relativ ruhig.</p>
<h3>3. Antizionismus 1967 – 1980</h3>
<p>Im Ostblock und unter den Linken im Westen bildete  sich ein radikaler Antizionismus heraus, der antisemitische Züge annahm. Die SU  brachte die Gleichsetzung von Nazi-Verbrechen und Zionismus in Umlauf. YU  profilierte sich in diesem Sinne für die blockfreien Staaten. Eine  UN-Resolution von 1975 setzte Zionismus dem Rassismus gleich. In PL wurde der  »Prager Frühling« den Juden angelastet und Hetzkampagnen mündeten in der  Massenauswanderung von Juden aus PL. In FR ergriff De Gaulle pro-arabisch  Partei, bezeichnete Israel im speziellen als „aggressiv“ und „arrogant“, die  Juden insgesamt als „elitär“ und „dominant“. In Skandinavien, BE, AT, UK und NL  setzte sich massiver Antizionismus durch. Europaweit kooperierten linke  Terrorgruppen mit arabischen Terroristen und entfernten sich auch auf  Einstellungsebene von der restlichen Bevölkerung.</p>
<h3>4. Fremdenfeindlichkeit von Rechts ab 1980</h3>
<p>Dem linken bzw. arabischen Terror gesellten sich ab  Anfang der 1980er Übergriffe mit rechtsextremem/xenophobem Hintergrund hinzu.  In FR gab es zwischen 1978 und 1982 viele schwere Anschläge auf jüdische  Einrichtungen zu verzeichnen, während Mitterand Israel des Völkermordes an den  Palästinensern beschuldigte. Auch in IT kam es zu einigen Terroranschlägen, oft  von arabischer Seite. Auch in der BRD nahmen ab 1980 antisemitische Straftaten  zu, während die antisemitischen Einstellungen in der Gesamtbevölkerung weiter  abnahmen. Die Lage im Ostblock beruhigte sich, die SU schwächte ihre antizionistische  Politik ab, ließ sie unter Gorbatschow ganz fallen. In den Medien persistierten  dennoch AS und Antizionismus.</p>
<h3>5. Die Wende ab 1989</h3>
<p>Nachdem in Osteuropa AS nur unter dem Deckmantel des  Antizionismus in Erscheinung kehrte der alte AS bald wieder an die Oberfläche  zurück und schlug sich auch in Umfragedaten deutlich nieder. Länder wie HU, RO,  SL und HR rehabilitierten anti-kommunistischen Kriegshelden, die aber auch  eifrige Nazi-Kollaborateure gewesen waren. Die Bevölkerungen in LV, EST, LIT  und UA waren durch ihre direkte Mittäterschaft belastet. Die Topoi des  sekundären AS verbreiteten sich auch hier. Für PL, RU und CZ stellte sich  dieses Problem naturgemäß nicht, doch lebte hier deren eigener traditioneller  AS wieder auf. In RU gingen extremer Nationalismus, Enttäuschung über die  verlorene Weltmachstellung und die Anlastung von SU-Verbrechen eine  antijüdische, oft gewaltsame Symbiose ein. Rechte Gewalt dominierte in FR, AT,  BE, UK und SE. In FR waren 1990 über 373 antisemitische Vorfälle zu  verzeichnen.</p>
<h3>3. Israelophobie ab 2000</h3>
<p>Seit 2000 häufen sich antisemitische Straftaten in  ganz Europa und die Gleichsetzung von Israel mit dem NS. Vor allem in FR, UK  und NL kam es zu gewalttätigen Übergriffen, in der BRD überwiegen Beleidigungen  und Drohbriefe die Gewaltakte. In GR sind eher rechtsextreme Hintergründe für  die Taten verantwortlich, in Spanien koexistieren traditioneller und islamistischer  AS. Die Gewalt in DE, FR, UK und NL geht oft auf Muslime zurück.</p>
<p>Mehr im Hauptartikel: <a title="Permalink to Antisemitismus und empirische Antisemitisforschung in Deutschland ab 1945" rel="bookmark" href="../antisemitismus-und-empirische-antisemitisforschung-in-deutschland-ab-1945">Antisemitismus und empirische Antisemitisforschung in Deutschland ab 1945</a>.</p>
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		<item>
		<title>Antisemitismus und empirische Antisemitisforschung in Deutschland ab 1945</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 15:14:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stef</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Antisemitismus und Antisemitismusvorwürfe sorgen in der BRD immer wieder für Skandale. Und das seit ihrem Bestehen. Und dennoch: es war nicht immer so, wie es heute ist. Der folgende Artikel fasst die empirische Antisemitismusforschung nach 1945 zusammen. Dabei wird die Veränderung von Anzahl und Ausmass an Antisemitsmus in der BRD untersucht, sowie auf die wechselnden Formen des Antisemitmus eingegangen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Antisemitismus und Antisemitismusvorwürfe sorgen in der BRD immer wieder für Skandale. Und das seit ihrem Bestehen. Und dennoch: es war nicht immer so, wie es heute ist. Der folgende Artikel fasst die empirische Antisemitismusforschung nach 1945 zusammen. Dabei wird die Veränderung von Anzahl und Ausmass an Antisemitsmus in der BRD untersucht, sowie auf die wechselnden Formen des Antisemitmus eingegangen.</p>
<p><span id="more-28"></span></p>
<p>Antisemitismus wird in der Umfrageforschung über das sozialpsychologische Einstellungskonzept operationalisiert, woraus eine Einteilung in Stereotype (kognitiv), negative Gefühle Juden gegenüber (affektiv) und Diskriminierungsbereitschaft (konativ) folgt. Unangemessenerweise wurde meist nur die kognitive Komponente erhoben.</p>
<p>Bezüglich der Ausprägung von Antisemitismus scheint die Einteilung nach Weil sinnvoll, der traditionellen, volkstümlichen Antisemitismus mit starken religiösen Diffamierungstendenzen von politisch-nationalistisch-rassistischem Antisemitismus unterscheidet und diese noch mal von sozialen Konflikten zwischen Bevölkerungsgruppen abgrenzt, wobei letztere durch die beiden ersten Ausprägungen auch überlagert werden können, bzw. durch Vorurteile Juden eher als Sündenböcke für Probleme ausgewählt werden. Im Gegensatz zu den beiden anderen Formen von Antisemitismus können soziale Konflikte aber besser durch rationale Maßnahmen gelöst werden. Für DE und AT ist zudem das Phänomen des sekundären Antisemitismus relevant: antisemitische Einstellungen, die den Holocaust als Ausgangsbasis haben.</p>
<p>Insgesamt verlief empirische Antisemitismus-Forschung diskontinuierlich und ereignisbezogen (Prozesse, Schmierwellen oder Jahrestage), insbesondere aber nicht durch Theorie und Hypothesen geleitet. Ab den 1980ern verbessert sich die Datenlage deutlich, was nicht zuletzt auf verschiedene Jahrestage, Skandale und Übergriffswellen zurückzuführen ist.</p>
<p>Nur wenige Items wurden wiedererhoben, Panelbefragungen fehlen. Es gab weder ein gemeinsames Forschungsprogramm noch eine Systematik. Die Daten wurden oft chaotisch produziert und über ad hoc Designs und Items mit wechselnden Kodierungen und Kategorisierungen erhoben. Abgrenzungen und Kategorien wurden meist ebenfalls ad hoc neu entschieden und auch die Stichprobenziehung differiert (verschiedene demographische Variablen, bzw. Variablenausprägung berücksichtigt). Neben der Anbindung fehlt auch die Rückkoppelung an die durch Theorie und Hypothesen geleitete Sozialwissenschaft fast vollständig.</p>
<p>Trends können nur näherungsweise geschätzt werden, indem man &#8220;ähnliche&#8221; Fragestellungen aus unterschiedlichen Stichproben miteinander vergleicht (Problem neben unvergleichbaren Stichproben auch Validität und Reliabilität der Vergleiche: inwieweit entspricht sich &#8220;Es wäre besser keine Juden im Land zu haben&#8221; und &#8220;Es wäre besser wenn die Juden nach IL gingen&#8221;?) und moderne sozialwissenschaftliche Theorien zum Komplex Antisemitismus fehlen.</p>
<h2>1. Materialübersicht</h2>
<p>Weiterhin gab es kleinere Umfragen, insbesondere auch durch die ADL. Diese enthalten aber keine soziodemographischen Daten und wurden selten Studien weiteranalysiert. Aber auch die anderen Daten wurden in nur sehr wenigen Arbeiten als Gesamtheit ausgewertet. Dazu gehören die Arbeiten von Merrit &amp; Merrit aus den 1970ern, die sich jedoch auf die frühe Nachkriegszeit beschränken. 1980 folgte Weil mit einer Analyse der Daten von 1945-1980 in einem knapp 20-seitigen Aufsatz zu &#8220;Antisemitism in Westgermany after the Holocaust&#8221; und weiteren Aufsätzen in den 1980ern.  Ab der zweiten Hälfte der 1980er sind es vor allem Bergmann/Erb/Wetzel vom und aus dem Umkreis des ZfA die sich in DE dieser Aufgabe angenommen haben und bis in die späten 1990er Monopol auf empirische Antisemitismus-Forschung in der BRD und der Analyse der Daten haben. Ab 2000 kommen Sekundärstudien von Wittenberg, teilweise mit Manuela Schmidt hinzu.</p>
<table border="0" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td colspan="3" width="485" valign="top"><strong>Empirische Studien und Umfragen    zum Antisemitismus in der BRD ab 1945</strong></td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" width="80" valign="top">
<p align="center"><strong>1946–1949</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" width="40" valign="top">
<p align="center"><strong>1</strong></p>
</td>
<td width="365" valign="top"><strong>OMGUS    Reports der amerikanischen Militärverwaltung</strong></td>
</tr>
<tr>
<td width="365">AS als    Teilaspekt enthalten<br />
Verwendet in 1970ern von Merrit/Merrit</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1949–1955</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>2</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>HICOG/DIVO    Fortsetzung der OMGUS Reports</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Schwerpunkte    wie bei OMGUS auf Entnazifizierung, Wiedergutmachung, Einstellung zu NS,    Kollektivschuld, Judenverfolgung<br />
Verwendet in 1970ern von Merrit/Merrit</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1949</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>3</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>IfD Allensbach</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Demographisch    kontrollierte Umfrage zu AS<br />
Einige Items bis 1964 wiedererhoben</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1960/1967</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>4</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>Emnid, IfS</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Reaktion    auf Schmierwelle und Eichmann-Prozess<br />
Nicht Einstellung zu AS</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1961–1962</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>5</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>Melvin Tuman</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Internationaler    Vergleich von Rassismus, Ethnozentrismus und Antisemitismus<br />
Unveröffentlicht, Ausgewertet 1980 durch Badi Panhani</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1972–1975</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>6</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>DFG/Silbermann/Sallen</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Rassismus,    Antisemitismus und Nationalismus in BRD<br />
Ohne Folgestudien, Kritik an Design und Auswertungsmethodik</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1980</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>7</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>Demoskopie, v.a. für    die Landeszentralen für Pol. Bildung</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Flankierend    zu Holocaust-Serie<br />
Leider keine Panelbefragung</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1980</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>8</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>Sinus-Studie für    Bundeskanzleramt</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Rechtsextremismus,    Autoritarismus etc.<br />
Antisemitismus einer von insgesamt sechs Fragen-Komplexen</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1984</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>10</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>IfD Allensbach im    Auftrag des BMDI</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Studie    zu Extremismus<br />
Einige, wenige Fragen zum Antisemitismus</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1986</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>11</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>IfD Allensbach/Stern,    außerdem Emnid wegen Fassbinder</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Deutsche    und Juden – 40 Jahre danach<br />
Öffentliche Auseinandersetzung um AS getrackt</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1987–1990</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>12</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>IfD für ZfA und ADL    B’nai B’rith</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Gut    designte Umfrage zu Antisemitismus, als langfristiges Messinstrument geplant<br />
Hauptveröffentlichung 1990 Bergmann/Erb</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1990</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>13</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>DDR Umfrage AJC</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Meinungsumfrage,    verarbeitet durch Uni-Erlangen-Nürnberg</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1990</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>14</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>DDR Umfrage Institut    für Soziologie Erlangen-Nürnberg</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Eigene    Umfrage und Verarbeitung der AJC 1990 Daten</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1990</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>15</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>IfD für ZfA und ADL    B’nai B’rith</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Gut    designte Umfrage zu Antisemitismus, als langfristiges Messinstrument geplant<br />
Hauptveröffentlichung 1990 Bergmann/Erb</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1991</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>16</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>Emnid</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Ausgewertet    durch Wittenberg/Schmidt</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1994</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>17</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>Emnid</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Ausgewertet    durch Wittenberg/Schmidt</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1996</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>18</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>ALLBUS</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Ausgewertet    durch Wittenberg/Schmidt</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>1998</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>19</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>Forsa / Die Woche</strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Ausgewertet    durch Wittenberg/Schmidt</td>
</tr>
<tr>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>2002</strong></p>
</td>
<td rowspan="2" valign="top">
<p align="center"><strong>20</strong></p>
</td>
<td valign="top"><strong>Infratest    Sozialforschung / American Jewish Committee </strong></td>
</tr>
<tr>
<td>Ausgewertet    durch Wittenberg/Schmidt</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h2>2. Ergebnisse</h2>
<p>Neben dem Erhebungschaos wird die Dateninterpretation auch durch die wachsende gesamtgesellschaftliche Unsicherheit darüber was als Antisemitismus zu werten ist und immer neu gezogene Abgrenzungen in den Studien erschwert. Diese machen zwei, anfänglich widersprüchlich erscheinende Trends aus:</p>
<ol>
<li> Die Zustimmung zu antisemitischen Items ist seit 1945 deutlich gesunken. Diese Ergebnisse der deskriptiv-statistischen Demoskopie werden von manchen als Lernprozess aufgefasst, andere vermuten eher Sponsorship-Effekte und ein Response-Set als Ursache dafür (zusammenfassend auch Kommunikationslatenz genannt).</li>
<li> Clusteranalysen und Antisemitismus-Skalen machen seit 1945 nur einen relativ moderaten Rückgang antisemitisch eingestellter Einstellungsgruppen aus.</li>
</ol>
<p>Der scheinbare Widerspruch lässt sich m.E. leicht auflösen: Clusteranalysen orientieren sich per Definitionem an stichprobeninternen, relativen Größen (wie dem Mittelwert) und nicht an stichprobenübergreifenden, absoluten Werten. Deshalb leiden sie ebenso wie Studien zur Verbreitung von Armut darunter, dass das untersuchte Phänomen niemals verschwindet, solange die Varianz innerhalb der Gruppe nicht gegen Null strebt. M.E. zeigen die Clusteranalysen zu Recht, dass es unterschiedlich stark reservierte, philosemitische und auch klar antisemitische Bevölkerungsteile gibt. Aber ein Blick auf die antisemitischen Items, die heutzutage noch Zuspruch erfahren zeigt, dass diese oftmals &#8220;weicher&#8221; sind, als die aus früheren Umfragen. Items wie &#8220;Es wäre besser keine Juden im Land zu haben&#8221; erfahren nur noch wenig Zuspruch. Insgesamt haben der traditionelle und der politische Antisemitismus stark an Boden verloren, während wirtschaftlich konnotierte Klischees zwar an Schärfe verloren haben, aber noch häufiger anzutreffen sind.</p>
<p>Als neues Phänomen tritt der sekundäre Antisemitismus in Erscheinung. Richtig ist aber auch, dass die Umfragen durchaus in der Lage unterschiedlich große Cluster für Ost- und Westdeutschland festzustellen. Die Rückgänge in der Häufigkeit antisemitischer Einstellungen sind also ernst zu nehmen, der relativ geringe Rückgang der Cluster kann auch durch eine höhere Sensibilität erklärt werden, was insgesamt ein etwas positiveres Bild vermuten lässt.</p>
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