Die EU im Karikaturenstreit – Eine Chronologie

Fussnoten

[1] Diese Worte sprach Javier Solana bereits 2002 in seiner Eigenschaft als Hoher Vertreter der GASP. Passenderweise in Dänemark.

[2] Der Begriff »europäisch« ist in dieser Arbeit vor allem auf die Europäische Union bezogen; wobei die Aussagen an einigen Stellen auch auf europäische Staaten, die nicht der EU angehören (z.B. Norwegen und die Schweiz) bezogen werden können oder gar müssen.

[3] Für die Zeit vom 01.02.2006 bis zum 28.02.2006 habe ich nicht weniger als 785 Artikel die sich direkt mit dem Karikaturenstreit befassen gesammelt. Für das gesamte Frühjahr bis April habe ich über 950 Artikel und Quellen zusammengetragen, wobei ich mich bei der Zusammenstellung auf die deutsche Tagespresse (Bild, FAZ, FR, NZZ, Spiegel, SZ, taz, Welt, Die Zeit) fokussiert habe. An vielen Tagen im Februar, als der Karikaturenstreit am virulentesten war, fanden sich in den meisten der genannten Zeitungen zwischen drei und 10 Artikel pro Tag direkt zu diesem Thema.

[4] Die Chronologie stützt sich zu weiten Teilen auf Schütz (2006). Andere Quellen sind gesondert referenziert.

[5] Vereinzelt wurde darauf hingewiesen, dass das „Bildverbot“ auch im Islam selbst nicht völlig unumstritten ist und es durchaus Bilder des Propheten aus islamischer Feder gäbe (so z.B. bei Naef 2006). Derartige Reflexionen der islamischen Geschichte und deren Brauchtums fanden auf muslimischer Seite während des Karikaturenstreits jedoch nicht statt. 

[6] Damit wird der im Nachhinein oft erhobene Vorwurf obsolet, dass Rasmussen hier eine Chance zur Deeskalation ungenutzt gelassen hätte. „Das ist der normale Weg“ rechtfertigte Rasmussen (2006) dieses Vorgehen in einem Interview mit Spiegel Online.

[7] Benannt nach den beiden Urhebern, Ahmad Abu Laban und Akhmad Akkari. Das komplette Dossier ist auf arabisch unter http://politiken.dk/media/pdf/5679.PDF einsehbar, die dänische Übersetzung ist nicht mehr abrufbar [Stand 19.08.2007].

[8] Dazu trug auch die Weigerung der Urheber des Dossiers bei, die vorgeschobenen Beleidigungsmails zu zeigen oder deren Absender zu nennen. Näheres zur Herkunft der betreffenden Bilder findet sich z.B. bei Sahm (2006), in der FAZ vom 10.02.2006, S.48 oder auf Spiegel Online http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,399791,00.html [zugegriffen am 09.02.2006].

[9] Vereinzelt ist eingewandt worden (so z.B. in der FR vom 21.02.2006; Online im Internet: http://www.fr-online.de/fr_home/startseite/?cnt=811910 [zugegriffen am 21.02.2006]), dass die Unruhen in Nigeria eher Ausdruck ohnehin bestehender nungen zwischen der muslimischen und der christlich-animistischen Bevölkerung in Nigeria sein. Übersehen wird dabei, dass Christliche Minderheiten in muslimisch dominierten Regionen immer wieder als Stellvertreter für die »Verfehlungen« der (vorgeblich) christlichen Mehrheit (die säkulare Verfassung vieler westlicher Gemeinwesen wird dabei geflissentlich übergangen) im Westen herhalten müssen. So auch bei den Übergriffen auf Christen in Ägypten, Libanon, Syrien oder der Türkei während des Karikaturenstreits. Es wäre also m.E. verkürzt diese Ereignisse nicht in diesem Zusammenhang zu sehen.

[10] Als direkt involviert galten z.B. Norwegen, Frankreich und Deutschland, da hier Zeitungen die Karikaturen nachgedruckt hatten oder gar neue beigesteuerten (Frankreich, später Deutschland zur Teilnahme Irans an der WM). Die Angriffe auf die Österreichische Botschaft wiederum, galten einzig der Ratspräsidentschaft der EU. 

[11] Die Rezeption des Streits setzte Anfang Februar in der deutschen Medienlandschaft ein, im Januar gab es nur vereinzelte Artikel und Meldungen z.B. im Auslandsteil der NZZ. In Skandinavien war der Streit bereits ein breit diskutiertes Thema.   

[12] Die gemeinsame Erklärung des UNO-Generalsekretärs Kofi Anan, des hohen Vertreters der GASP Javier Solana und dem Generalsekretär der OIC Ekmeleddin Ihsanoglu ist auch auf der Seite der UN in Wien einsehbar: http://www.unis.unvienna.org/unis/de/pressrels/2006/sg2105.html [zuletzt zugegriffen am 08.08.2007]. 

[13] Anders als oft kolportiert kam es auch in Lybien zu Gewaltakten: Zwar verhinderte die lybische Polizei am 17. Februar einen Übergriff auf die italienische Botschaft. Am folgenden Tag aber, ließ sie „die vollständige Plünderung des Konsulats sowie das Niederbrennen einer Kirche und eines Klosters zu … die Opfer des Vortags wurden zu Märtyrern erhoben“ (Tzermias: 2006). Im März forderte Ghadhafi plötzlich Reparationszahlungen von Italien für die Besetzung während der Kolonialzeit, drohte dabei offen mit weiterer Gewalt (vgl.: ibid.).

[14] Selbst wenn die Protestierenden eigentlich Dänemark meinten, ändert das nichts an der Betroffenheit der EU durch dieses und die folgenden Ereignisse. Die Identifikation der EU und ihrer Mitgliedsstaaten von Außen – gerade auch in politischer Hinsicht – wird dadurch vielmehr unterstrichen.

[15] Die in Kapitel 2.1 nach Schütz in diesem Zusammenhang erwähnten Al-Aksa-Brigaden sind der Fatah zuzurechnen.

[16] Ich selbst fand den Bericht über die Erklärung und die Initiative nur auf der Internet-Seite des internationalen tschechischen Radio-Senders Radio Prag. Dort wurde über das Scheitern der tschechischen Initiative berichtet.

[17] Dennoch habe ich eine dezidierte Position zu den Ereignissen, und zwar eine, die sich aufgeklärten europäischen Diskursformen verpflichtet fühlt, wie sie – paradoxerweise – am vehementesten von Autoren mit Namen wie Ayan Hirsi Ali, Ibn Warraq oder auch Tibi vertreten wurden. Es sei freimütig eingestanden, dass es mir nicht immer gelingt vollständig hinter diese Meinung zurückzutreten.

[18] Vermutlich wurde jedoch aus Deeskalationsgründen darauf verzichtet.

One Trackback

  1. By New Projects | Steffen Heringhaus on 12/03/2009 at 20:09

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