Demographie und Bevölkerungsentwicklung in Deutschland ab 1945

2.4 Gesamtbevölkerung und Altersstruktur

Der Begriff Bevölkerungsweise meint ein Muster generativen Verhaltens (Geburtenzahl, Säuglingssterblichkeit, Heiratsalter). Diese hat sich seit Gründung der BRD verändert und zusammen mit der allgemeinen Mortalität und der Migration (M = E+I) die Bevölkerungszahl P und die die Alterstruktur verändert. Auf die ebenfalls gewandelte ethnische Zusammensetzung wird hier nicht eingegangen.

Für die BRD lassen sich drei Phasen der Bevölkerungsentwicklung ausmachen:

  1. Phase, ca.1950-1965: B hoch, M hoch, P wächst von 46 auf 59 Mio.
  2. Phase, ca. 1965-1990: P weitgehend konstant, sinkendes B wird durch M > 0 kompensiert, moderates Wachstum auf ~ 61 Mio. bis 1988
  3. Phase, ab ca. 1990: B konstant, M sehr hoch, P wächst von ca. 79 Mio. (Ost + West) auf ca. 82 Mio. in den 1990ern und fluktuiert nun konstant um diesem Wert

Ohne positiven Migrationssaldo wäre die Bevölkerung Deutschlands ab 1970 geschrumpft, da die Sterbeziffer größer als die der Geburten ist: D>B. 1990 standen 850.000 Todesfällen 770.000 Geburten gegenüber. Der niedrigen NRR zum Trotz, die ca. 1/3 zu niedrig ausfällt um den Bestand zu sichern, fällt das Geburtendefizit mit Fluktuationen zwischen einem Defizit von 10 und 20 % seit den 1970ern relativ moderat aus. Diese befremdliche Differenz ergibt sich aus einem Altersstruktureffekt. In den 1980/90ern kam die Generation der Babyboomer in das Elternalter und aus dem ehemaligen Geburtenberg wurde ein neuer Elternberg , der ohne veränderte Neigung zur Reproduktion durch seine schiere Größe das Geburtsdefizit niedrig halten konnte.

In den kommenden Jahren aber wird dieser Elternberg zum Rentnerberg werden, während die geburtenschwachen Jahrgänge in das Elternalter kommen. Der Alterseffekt der vorher den Verhaltenseffekt (zu tiefe NRR) abschwächte, wird diesen Verhaltenseffekt in Zukunft also verstärken.

Modellrechnungen zufolge würde die Bevölkerung bei konstanter NRR und dem traditionellen Migrationssaldo von M=200.000 bis zum Jahr 2050 auf 75 Mio. fallen, bei einem M=100.000 sogar auf 65 Mio. Zur Bestandserhaltung wäre eine Zuwanderung von 300.000 pro Jahr erforderlich. Für eine Sicherung allein der Rentensysteme veranschlagt Esser (1992) ebenfalls eine jährliche Zuwanderung von 300.000 bis 400.000.

Wie das Stichwort Rentensystem in Erinnerung ruft, ist die veränderte Altersstruktur der Bevölkerung von besonderem Interesse: Der kopflastige Aufbau der Alterspyramide, bedingt durch die umfangreichen älteren Jahrgängen und die nur noch relativ schmal ausfallenden jüngeren Jahrgänge hat die Altersabhängigkeitsquote von 17 % 1960 auf 24 % (2000) erhöht. Die Altersabhängigenquote bezieht die nicht mehr arbeitenden Bevölkerung auf die arbeitsfähige Bevölkerung

Gleichung 4: Arbeitsfähige Bevölkerung Gleichung 4: Arbeitsfähige Bevölkerung

Die Vergleichswerte für die USA zu den gleichen Zeitpunkten liegen bei 15 % und 17 %.

Der Anteil der Bevölkerungsmitglieder über 65 erhöhte sich entsprechend von ca. 15 % 1953 auf 23 % und wird sich schätzungsweise (angenommen ist ein M > 0 von 200.000/Jahr) auf 28,5 % bis 2020 und bis 2050 auf 35,8 % erhöhen.

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind als solche gekennzeichnet *

*
*